Ein Selbstversorgerhaus ist eine Gruppenunterkunft, in der ihr euch komplett selbst verpflegt – mit eigener großer Küche, eigenem Essbereich und meist als ganze Gruppe unter einem Dach. Kein Hotelbetrieb, keine festen Essenszeiten, keine Verpflegung im Preis. Genau deshalb ist es für Familientreffen, Vereinsfreizeiten und Großfamilien-Wochenenden oft die deutlich entspanntere Wahl als ein Hotel. In diesem Artikel erkläre ich, was ein Selbstversorgerhaus wirklich ist, woran du ein gutes erkennst – und worauf ich nach vielen Aufenthalten inzwischen besonders achte.

Lange Tafel mit Holzstühlen im Speiseraum eines Selbstversorgerhauses

Definition: Was ist ein Selbstversorgerhaus?

Ein Selbstversorgerhaus ist eine Ferienunterkunft für Gruppen, die ihr als Gruppe komplett mietet und in der ihr eure gesamte Verpflegung selbst übernehmt. Der Vermieter stellt dir Schlafplätze, eine Küche, einen Aufenthaltsraum, Bäder und meist einen Außenbereich – aber keine Mahlzeiten. Frühstück, Mittag, Abendbrot kommen von euch.

Das Wort sagt es eigentlich schon: selbst versorgen. Anders als im Hotel oder in der Pension gibt es kein Frühstücksbuffet, keinen Koch und kein Restaurant. Dafür habt ihr eine Küche, die für 20 bis 80 Personen ausgelegt ist – mit Industriespüler, mehreren Herden, großen Töpfen, ausreichend Tellern und Gläsern.

Typische Größen liegen zwischen 20 und 80 Schlafplätzen, manche Häuser nehmen über 100 Personen auf. Damit ist das Selbstversorgerhaus klar von der klassischen Ferienwohnung abgegrenzt – die ist für 2 bis 8 Personen gedacht.

Selbstversorgerhaus vs. Hotel, Ferienwohnung & Co.

Das ist die wichtigste Unterscheidung, wenn du das passende Format für eure Gruppe suchst:

Unterkunftsart Typische Größe Verpflegung Wer mietet
Hotel / Pension 1–4 Pers. pro Zimmer Frühstück oder HP/VP inklusive jeder einzeln
Ferienwohnung 2–8 Pers. Selbstversorgung, aber zu klein einzelne Familie
Selbstversorgerhaus 20–80+ Pers. komplette Selbstversorgung die ganze Gruppe
Schullandheim 30–120 Pers. meist Vollverpflegung meist Schulen/Vereine
Jugendherberge (DJH) 50–200 Pers. meist HP/VP, manchmal SV jeder einzeln oder Gruppe
Gruppenhaus mit HP 20–80 Pers. Halb- oder Vollpension die ganze Gruppe

Ein Selbstversorgerhaus ist also der Sonderfall, in dem ihr Gruppe + eigene Küche + Komplettmiete zusammenkriegt. Das ist nicht selbstverständlich – viele Häuser, die sich „Gruppenhaus" oder „Tagungsstätte" nennen, bieten nur Halb- oder Vollpension und keine echte Selbstversorgung.

Für unsere Familientreffen buche ich immer ein Selbstversorgerhaus und das aus mehreren Gründen:

  • Ich will gar kein Rundum-Sorglos-Paket haben. Die besten Gespräche entstehen, wenn man etwas zusammen macht. Und gemeinsam Kochen oder Spülmaschine ausräumen gehört für mich ganz klar auch dazu. Da kann die Oma bissel Gemüse schneiden und fühlt sich eingebunden und auch Onkel Horst kann den Mädels mal zeigen wie er Schnitzel braten kann.
  • Im Vergleich zu Vollverpflegung ist es natürlich deutlich billiger. Es sei denn ihr wollt immer nur Lachs zum Frühstück servieren ;)

Selbstversorgung einer großen Gruppe hat aber auch echte Nachteile. So muss man sehr viel Essen organisieren, es kostet Zeit und die Küche putzen muss auch noch jemand. Aber es sind genug Leute da - man muss nur miteinander reden und viele einbinden.

Bei uns findet sich aber erfahrungsgemäß immer jemand der in der Küche steht, das wechselt sich einfach so ab, ohne dass man da viel organisieren muss.

Man muss übrigens auch nicht immer großes Menü kochen. Man kann trotzdem an einem Tag einfach mal Pizza für alle bestellen. Das entspannt auch wieder etwas :)

Was gehört zu einem Selbstversorgerhaus dazu?

Die Ausstattung variiert, aber die meisten Häuser, die ihr Geld wert sind, haben diese fünf Bausteine:

1. Eine Profi-Küche, die wirklich für die Gruppe ausgelegt ist

Das ist der wichtigste Unterschied zur Ferienwohnungs-Küche. Achte auf:

  • mindestens sechs Kochstellen (Induktion oder Gas)
  • Industrie-Geschirrspüler mit kurzem Spülgang – ein Haushaltsspüler reicht für 40 Personen nicht
  • Großer Kühlschrank, idealerweise Side-by-Side oder mehrere Kühlschränke
  • große Töpfe (mindestens 20 Liter), Pfannen, Schöpfkellen für Eintopf-Mengen
  • ausreichend Geschirr für die volle Belegung – nicht „so für 30 Leute reicht es"

Wenn die Küche zu klein ist, beginnt das Familientreffen mit Stress am Herd, und das überträgt sich auf alles andere.

2. Ein Aufenthalts- oder Speiseraum für alle gleichzeitig

Alle müssen gemeinsam essen können – das ist der Kern eines Familientreffens. Prüfe, ob die Tische ausreichend Platz bieten, idealerweise als lange Tafel oder als U-Form, sodass auch Gespräche über mehrere Plätze hinweg möglich sind. Ein zweiter Aufenthaltsraum für Abendrunde, Bar oder Spiele ist Bonus.

Wenn der Gemeinschaftsraum zu klein ist, dann ist das auch meist kein Problem. Man kann zB in Gruppen essen - wobei mir das nicht so gut gefällt - ich mag gern einen offiziellen Start für das große Fressen. Oder man setzt sich erst mal in die Ecke - erfahrungsgemäß sitzen die Mini-Menschen nicht so lange am Tisch und dann sind auch schnell wieder Stühle frei.

3. Schlafzimmer in unterschiedlichen Größen

In klassischen Schullandheimen gibt es oft nur 6er- oder 8er-Schlafsäle. Für Familientreffen ist das nicht ideal: Familien mit Kleinkindern brauchen eigene Zimmer, damit die Kleinen früh schlafen können, ohne dass die ganze Gruppe leise sein muss.

Gut sind Häuser mit einem Mix aus 2er-, 4er- und Mehrbettzimmern. Frag im Zweifel beim Vermieter nach, wie sich die Betten auf die Zimmer verteilen – das steht nicht immer auf der Website.

4. Sanitärbereich

In Familien ist das weniger heikel als bei Schulklassen oder Vereinen: Generationenübergreifend sind alle gewohnt, sich Bäder zu teilen. Trotzdem solltest du prüfen, dass es genug Duschen und Toiletten für die Belegung gibt – als Faustregel mindestens ein Bad pro 8 Personen.

5. Außenbereich

Garten, Terrasse, Grillplatz, vielleicht ein Bolzplatz oder eine Feuerstelle. Bei gutem Wetter spielt sich das halbe Familientreffen draußen ab. Ohne Außenbereich wird das Haus bei Sonne zu eng.

Was musst du selbst mitbringen – und was ist im Haus?

Das ist die zweite Frage, die ich von Familien am häufigsten gestellt bekomme. Die kurze Antwort: Geschirr und Töpfe sind da, Lebensmittel und Bettwäsche meistens nicht.

Vom Haus gestellt (in der Regel): - komplettes Küchen-Equipment (Töpfe, Pfannen, Schneidebretter, Messer, Geschirr, Besteck, Gläser) - Grundausstattung Reinigung (Besen, Mopp, Müllbeutel meist anteilig) - Matratzen, Kopfkissen, Bettdecken - Toilettenpapier (oft, aber nicht immer)

Solltest du mitbringen (in der Regel): - Bettwäsche und Handtücher – das ist die häufigste Stolperfalle. Manche Häuser bieten Bettwäsche als Zusatzoption an, viele nicht. - Lebensmittel – die komplette Verpflegung, also Frühstück, Mittag, Abendbrot, Snacks, Getränke - Spülmittel, Spülschwämme, Geschirrtücher (manche Häuser stellen einen Startvorrat) - Putzlappen, falls Endreinigung selbst gemacht wird

Klär das vorher schriftlich mit dem Vermieter, bevor 50 Leute ohne Handtuch anreisen. Ein kurzer Anruf oder eine Mail spart später Streit.

Ich frage meist vorher an ob zB ein Grill vorhanden ist - wir grillen meist am ersten Abend. Weiterhin fehlt es oft an ausreichend Spielzeug für die Kleinkinder - da packt meist jeder noch ein Bobbycar und einen Ball in den Kofferraum.

Für wen ist ein Selbstversorgerhaus gemacht?

Das Format passt richtig gut für:

  • Familientreffen ab etwa 20 Personen – die Kernzielgruppe
  • Großfamilien-Wochenenden (Geschwister, Cousins, deren Kinder)
  • Geburtstage mit Übernachtung – runde 50er, 60er, 70er
  • Vereins- und Chorfreizeiten
  • Konfirmandenfreizeiten, Pfadfinderlager, Jugendgruppen
  • Studienjahrgangs- und Klassentreffen mit Übernachtung

Weniger passt es für:

  • Paar-Urlaub – zu groß, zu wenig Intimität
  • Klassisch erholsamen Urlaub mit Wellness und Service – hier ist ein Hotel besser
  • Kleinfamilien-Urlaub mit 4 Personen – die Ferienwohnung ist die richtige Wahl

Was kostet ein Selbstversorgerhaus?

Die Preise variieren stark nach Lage, Ausstattung und Saison, aber als grobe Orientierung:

  • 20–35 €/Person/Nacht – einfache Ausstattung, ländliche Lage
  • 35–55 €/Person/Nacht – gut ausgestattete Häuser in Wander- und Urlaubsregionen
  • 55–80 €/Person/Nacht – Premium-Häuser, sehr zentrale Lagen, neue Ausstattung

Dazu kommen meist:

  • Endreinigung als pauschaler Aufschlag (oft 150–400 €), manchmal in der Option „Selbstreinigung" sparbar
  • Kaution (typisch 300–1000 €)
  • Bettwäsche als Option pro Person
  • Mindestbelegung: viele Häuser vermieten nur an Gruppen ab 20 oder 30 Personen, manchmal mit Mindest-Übernachtungszahl 2

Wer flexibel ist und Mid-Week oder außerhalb der Schulferien anreisen kann, spart oft 20–30 %.

Bei vielen Häusern habe ich jetzt aber auch schon gesehen, dass es ab einer gewissen Belegung einfach einen Pauschalpreis gibt. Das finde ich persönlich sehr sympathisch.

Wie findest du ein passendes Selbstversorgerhaus?

Es gibt mehrere Wege:

  1. faminu.de – unser Portal sammelt ausschließlich Selbstversorgerhäuser für Familientreffen ab 20 Personen (siehe Link am Ende des Artikels).
  2. Verbandslisten – DPSG, CVJM, EC, Pfadfinderverbände betreiben eigene Häuser, oft mit eigener Buchungs-Seite.
  3. Gruppenhausportale – breiter, aber oft auch Häuser mit Vollverpflegung und Klassenfahrt-Fokus dabei. Du musst filtern.
  4. Direkt beim Vermieter – wer schon einmal in einem Haus war oder es per Mundpropaganda kennt, bucht oft direkt zum besten Preis.

Wenn du noch ganz am Anfang stehst, empfehle ich dir den Artikel Familientreffen organisieren: Anleitung & Checkliste – dort haben wir den gesamten Planungs-Ablauf zusammengeschrieben.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

Vorteile:

  • Alle unter einem Dach – kein Auseinanderlaufen nach dem Abendessen
  • Eigener Tagesablauf, keine Hotelzeiten
  • Oft deutlich günstiger pro Person als ein Hotel
  • Kinder können toben, laut sein, durchrennen – ohne dass jemand schimpft
  • Räume für Spiele, Vorträge, Familienquiz, Lagerfeuer

Nachteile:

  • Mehr Organisation: jemand muss die Einkäufe planen
  • Bettwäsche und Verpflegung mitbringen
  • Endreinigung oder Selbstreinigung gehört dazu
  • Mindestbelegung – unter 20 Personen wird's preislich oft unattraktiv

Häufige Fragen

Kann eine Privatperson ein Selbstversorgerhaus buchen? Bei den meisten Häusern ja – ein paar Träger (Pfadfinderzentren, Bildungsstätten der freien Jugendhilfe) vermieten ausschließlich an Schulen, Vereine oder Jugendarbeit. Frag im Zweifel beim Vermieter direkt nach. Auf faminu.de listen wir nur Häuser, die auch an private Familienverbände vermieten.

Wie früh muss ich buchen? Gute Selbstversorgerhäuser für 20 oder mehr Personen sind 10 bis 12 Monate im Voraus vergeben, besonders für Sommerferien, Pfingsten und Ostern. Wer flexibel ist, findet kurzfristig manchmal noch was außerhalb der Ferien.

Was, wenn nicht alle gebuchten Betten belegt werden? Das ist normal – grobe Daumenregel: plane mit 80 % der ursprünglich angemeldeten Personen, ein paar Absagen kommen fast immer. Bezahlt wird meist trotzdem die Mindestbelegung. Klärt im Vorfeld, wie die Kosten verteilt werden.

Kann man Verpflegung dazubuchen? Viele Häuser bieten als Option Frühstück oder Brötchenservice an. Das ist aber keine echte Selbstversorgung mehr und nimmt einen Teil des Charmes. Wir empfehlen: einen einfachen Speiseplan machen (Eintopf, Pasta, Suppe, Grillen) – und ruhig auch mal einen Pizza-Bestelltag einbauen, das entspannt alle. Kein 5-Gänge-Menü nötig.

Sind Haustiere erlaubt? Bei manchen Häusern ja, bei vielen nein – das steht im Hausprospekt oder in den AGB. Frag explizit nach, wenn ein Hund mitkommen soll.

Fazit

Ein Selbstversorgerhaus ist die ideale Unterkunft, wenn du mit der ganzen Großfamilie ein Wochenende zusammen verbringen willst und mehr willst als nebeneinander in Hotelzimmern zu wohnen. Das gemeinsame Kochen, der lange Tisch am Abend, der eigene Garten – das macht ein Familientreffen aus.

Wenn du selbst gerade auf der Suche bist, schau in unsere Übersicht der Selbstversorgerhäuser. Wir bauen die Liste laufend aus und nehmen nur Häuser auf, die wirklich für Familientreffen geeignet sind – also keine Schullandheime mit Klassenfahrt-Fokus, keine Pensionen mit Halbpension und keine Resorts mit Animation. Selbstversorger eben.


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